Alle sieben Berufsbildungswerke für Hörgeschädigte

Auch junge Menschen mit starken Hörschädigungen können qualifizierte Berufsabschlüsse erreichen, wenn ihnen in Ausbildung und Berufseinstieg passgenaue Unterstützung angeboten wird. Dafür stehen bundesweit sieben Berufsbildungswerke (BBW) für Menschen
mit Hörschädigung zur Verfügung, die sich 2007 zu einer Qualitätsgemeinschaft zusammen geschlossen und gemeinsame Qualitätsstandards vereinbart haben. Diese Standards einer behinderungsgerechten und alltagsnahen Ausbildung wurden in den Jahren 2008 bis 2010 in allen sieben Einrichtungen von einer externen Prüfstelle, der Firma C.O.C.P. in Aalen, geprüft und bestätigt. Mit der Zuerkennung der Zertifikate wurde der erste dreijährige Zertifizierungszyklus erfolgreich abgeschlossen.

 

Eine Berufsausbildung in den Berufsbildungswerken in Bigge, Husum, Leipzig, München, Neuwied, Nürnberg und Winnenden soll zuverlässig die besten Bedingungen für einen erfolgreichen Berufsabschluss für Menschen mit Hörschädigung bereitstellen. Dazu gehören die räumliche und technische Ausstattung, die personellen Kompetenzen und die langjährigeErfahrung im Umgang mit Hörgeschädigten.
In allen sieben Einrichtungen werden die Ausbildungsprozesse behinderungsgerecht gesteuert. Besondere Lernmedien, abgestimmte Prüfungsvorbereitungen sowie eine durchgängige Förderung der Eigenverantwortung und des souveränen Umgangs mit der eigenen
Behinderung sollen die Selbstbestimmung im Leben der hörgeschädigten Jugendlichen erhöhen.

 

Um gemeinsame Qualitätsstandards durchzusetzen, bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen den sieben Einrichtungen. Bestes Beispiel dafür ist die gemeinsame Erarbeitung und Weiterentwicklung des Fachgebärdenlexikons, das seit 2007 im Internet für jedermann frei zugänglich ist. Dieses virtuelle Lexikon berufbezogener Fachgebärden versteht sich als Praxishilfe für den beruflichen Alltag und damit als Beitrag zur besseren Integration von Menschen mit Hörgeschädigung in das Arbeitsleben. In ihm werden über 2.000 Fachbegriffe aus unterschiedlichen Berufen in Gebärdensprache (mittels Videosequenzen), Schrift und Bild erklärt. Im Jahr 2008 war die erste Phase mit den Berufen Maler, Raumausstatter, Orthopädie-Schumacher, Bauzeichner, Zahntechniker und dem Berufsfeld Metall weitgehend abgeschlossen. Zurzeit erfährt das Fachgebärdenlexikon eine Erweiterung mit Fachbegriffen aus dem Berufsfeld Bekleidung und steht damit als Beispiel für die praktische Umsetzung selbst gesetzter Qualitätsstandards im Bereich Lehr- und Lernmittel: www.fachgebaerdenlexikon.de

 

Die Leitungen der sieben Berufsbildungswerke haben beschlossen, die externen Überprüfungen auch in den kommenden Jahren fortzuführen. Um die Qualitätsstandards weiter zu entwickeln bzw. sich verändernden Bedingungen anzupassen, findet ein regelmäßiger Austausch in gemeinsamen Arbeitsgruppen und Gremien statt. Darüber hinaus veranstaltet die Qualitätsgemeinschaft am 17. und 18. November 2011 eine erste gemeinsame Fachtagung. Im Berufsbildungswerk Leipzig will man sich dann über sog. Best Practice – also über bewährte und vorbildliche Methoden und Prozesse in der Förderung von Hörgeschädigten – austauschen.

 

Pressemitteilung zur Zertifizierung

 

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